, Keusen Marc

Herbstanlass Biber

Stefan Steuri Tierpfleger des Tierparks Bern, hat uns am Dienstag, den 4. November in der Aula der Schulanlage Spiegel einen Vortag über den Biber im Kanton Bern präsentiert. Ca. 50 interessierte Personen wurden über das Verhalten, die Besonderheiten, dessen Lebensraum und seine Fähigkeiten informiert.

Biber

Der Biber ist ein faszinierender „Ökosystem-Ingenieur“ und das größte Nagetier Europas. Hier ist die Kurzbezeichnung für den fleißigen Baumeister:

Steckbrief: Der Biber

Größe & Gewicht: Er wird bis zu 1,30 Meter lang (inklusive Schwanz) und wiegt zwischen 20 und 30 kg. Damit ist er massiver als so mancher Hund.
Markenzeichen: Die Kelle: Sein flacher, schuppiger Schwanz dient als Steueruder beim Schwimmen, Fettspeicher und Warnsignal (durch Aufklatschen aufs Wasser).
Orange Zähne: Die Schneidezähne sind durch eingelagertes Eisen extrem hart und färben sich deshalb orange. Sie wachsen ein Leben lang nach.
Dichtes Fell: Mit bis zu 23.000 Haaren pro Quadratzentimeter ist sein Pelz extrem wasserabweisend (zum Vergleich: der Mensch hat ca. 600).

Lebensweise & Fähigkeiten

Baumeister: Biber bauen Dämme, um Wasser aufzustauen, damit die Eingänge zu ihren Biberburgen stets unter Wasser liegen – das schützt sie vor Feinden.
Nahrung: Sie sind reine Vegetarier. Im Sommer fressen sie Kräuter und Wasserpflanzen, im Winter nagen sie die energiereiche Rinde von Bäumen (vor allem Weiden und Pappeln).
Tauchtalent: Ein Biber kann bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben. Seine Ohren und die Nase kann er dabei verschließen.

Besonderheit

Der Biber ist neben dem Menschen eines der wenigen Lebewesen, das seinen Lebensraum aktiv gestaltet. Durch seine Dämme schafft er neue Biotope (Feuchtwiesen), die vielen anderen Tier- und Pflanzenarten als Zuhause dienen.

Lebensraum im Kanton Bern

Im Kanton Bern hat sich der Biber in den letzten Jahrzehnten wieder stark verbreitet und ist heute ein fester Bestandteil der heimischen Fauna. Er besiedelt vor allem das Mittelland und das Seeland.
Hier sind die wichtigsten Details zu seinem Lebensraum im Kanton Bern:

Hauptverbreitungsgebiete

Der Biber bevorzugt stehende oder langsam fließende Gewässer mit weichem Ufergehölz (wie Weiden und Pappeln).
Aare-Lauf: Besonders hohe Dichten finden sich an der Aare zwischen Thun und Bern sowie im weiteren Verlauf Richtung Solothurn
Berner Seeland: Das Gebiet rund um den Bielersee und die Entwässerungskanäle des Grossen Mooses (z. B. Alte Aare) sind klassische Biber-Reviere. Hier ist die Besiedlung mittlerweile so dicht, dass man von einer gewissen "Sättigung" spricht.
Stadt Bern: Auch im urbanen Raum ist er präsent. Bekannt ist die Biberfamilie im Marzilibad (Bueberseeli) und am Dalmazibach.
Kleinere Zuflüsse: In den letzten Jahren hat der Biber vermehrt auch kleinere Bäche besiedelt, die oft weniger als 5 Meter breit sind.

Geschätzte Bestandszahlen 2025

Anzahl Individuen:
Man geht heute von etwa 1.300 bis 1.400 Bibern im Kanton Bern aus (basierend auf den 1.200 Tieren aus 2022 und einer moderaten jährlichen Wachstumsrate).

Vergleich:
Schweizweit wird der Bestand 2025 auf rund 5.000 Tiere geschätzt. Der Kanton Bern beherbergt somit etwa ein Viertel der gesamten Schweizer Biberpopulation.

Lebensweise im Kanton

Baumeister:
An kleineren Gewässern im Kanton baut der Biber aktiv Dämme, um den Wasserstand zu regulieren, während er an den großen Flüssen (wie der Aare) eher in Erdbauten am Ufer lebt, da der Wasserstand dort meist tief genug ist.

Konfliktgebiete
Da der Biber oft in landwirtschaftlich genutzten Gebieten (besonders im Seeland) lebt, kommt es gelegentlich zu Konflikten (z. B. Vernässung von Äckern oder Frass Schaden an Kulturen). Der Kanton Bern hat dafür ein Biber-Konzept und spezielle Wildhüter, die bei Problemen beratend zur Seite stehen.

Wo man ihn kaum findet

In höheren Lagen über 1.000 m ü. M. sowie in sehr steilen, schnell fließenden Gebirgsbächen kommt der Biber im Kanton Bern bisher kaum vor, da dort das Nahrungsangebot (Weichhölzer) und die Grabmöglichkeiten fehlen.

Tipp für Beobachtungen

Besonders im Pro Natura Zentrum Eichholz (bei Bern) oder entlang der Alten Aare bei Lyss/Aarberg lassen sich in der Dämmerung mit etwas Geduld oft Biberspuren (frische Nagespuren, "Biber-Rutschanlagen" am Ufer) oder sogar die Tiere selbst entdecken.